Die Trennung – das ungeliebte Ende jeder Dingbeziehung.

Warum wir uns nur schwer von unseren Sachen trennen können

[Psychologie/Wirtschaftswissenschaften]

Stanford (USA) – Ob Plunder oder Preziosen – der Mensch hängt an dem, was er besitzt. Sobald er von seinen Besitztümern etwas weggeben soll – verschenken, verkaufen oder wegwerfen -, überkommt ihn ein mehr oder weniger starker Trennungsschmerz.

Things
Creative Commons License photo credit: Jo Jakeman

Wie die Wirtschaftspsychologie bereits erkannt hat, verkauft der Mensch seine Dinge, sofern er sie überhaupt verkauft, zu einem deutlich höheren Preis als er sie selbst kaufen würde. In der Forschung spricht man daher vom „Besitztumseffekt“. Jetzt haben amerikanische Neurowissenschaftler herausgefunden, dass der Besitztumseffekt seinen festen Platz im Gehirn hat. Wie sie in der Fachzeitschrift „Neuron“ darlegen, lässt sich in der Region der so genannten Insula die individuelle Ausprägung des Besitztumseffektes nachweisen.

Der Besitztumseffekt ist für die Wirtschaftswissenschaft eigentlich etwas, was es nicht geben dürfte. Denn ob jemandem etwas gehört oder nicht, sollte keinen Einfluss auf den Grad der Wertschätzung eines bestimmten Gegenstandes haben. „Während der Besitztumseffekt regelmäßig und robust sowohl unter Laborbedingungen als auch in natürlichen Situationen nachweisbar ist, waren die psychologischen und neuronalen Mechanismen, die ihm zugrundeliegen, bislang völlig unklar“, erklärt Brian Knutson von der Stanford University.

Knutson und seine Kollegen ließen Versuchspersonen Produkte kaufen und Produkte verkaufen. Einige Produkte hatten die Versuchsteilnehmer vor den Experimenten bekommen, es waren also „ihre Sachen“. Mit Hilfe der Magnetresonanz-Tomografie beobachteten die Forscher die Gehirnaktivität ihrer Probanden bei den verschiedenen Transaktionen. Dabei zeigte sich, dass besonders drei Gehirnregionen aktiv waren: der Nucleus accumbens, der mesial-präfrontale Kortex und die Insula. Der Nucleus accumbens war beim Kauf und Verkauf bevorzugter Produkte aktiv. Der mesial-präfrontale Kortex reagierte, wenn es um den Preis beim Verkauf ging. Die Insula zeigte Aktivität, wenn es um die bevorzugten „eigenen“ Sachen ging. Die unterschiedliche Stärke der Reaktion der Insula zeigte die unterschiedliche Ausprägung des Besitztumseffektes bei den Probanden.

„Unsere Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass es einen Mechanismus gibt, der die zunehmende Aversion vor Besitzverlust während des Verkaufens einbezieht. Dies belegt, dass neurowissenschaftliche Methoden die Wirtschaftstheorien vorantreiben können“, erklärt Knutson. „Die neurowissenschaftlichen Methoden führen scheinbar einheitliche Phänomene, wie etwa die Wahl zwischen Handlungen, auf ihre konstitutiven Bestandteile zurück und mit ihrer Hilfe kann auch näher bestimmt werden, wann jedes dieser Bestandteile wichtig wird.“ (wsa080611dm1)

Autor: Doris Marszk
Quelle: Cell Press / Eigene Recherche

via Wissenschaft aktuell

Zemanta Pixie

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