Porsche fahren, Porsche gehen.

Braucht die Welt Autofahrer-Schuhe von Porsche, mit Längsrillen am einen und Antirutschmatte am rechten Fuß? Ich meine: nein. Aber ich gehöre auch nicht zur Zielgruppe dieser überaus kommunikativen Fußbekleidung, die SpOn nicht unkritisch präsentiert:

Und noch eine Neuheit gibt es an der Sohle, nämlich „die offengelegte Gelenkfeder“. Statt wie bisher eine Stahlfeder zwischen Ferse und Vorderfuß einzusetzen, ist in die Porsche-Modelle ein keilförmiges Aluminiumelement sichtbar in die Sohle integriert. Schließlich sollen Passanten auch erkennen, dass es sich um ein ganz abgefahrenes Modell handelt.

Während der Spaziergang also etwas unrund ablaufen dürfte, schreit dieser Schuh fortwährend: „Ich fahre Porsche, laufe Porsche, ich esse Porsche und wohne Porsche.“ Wie sympathisch diese Botschaft bei inflationärem, eindeutig unprätentiösem Gebrauch wirkt, möge jeder für sich entscheiden. Tendenziell kommt allerdings wohl mittlerweile Understatement auch im Hochpreissektor besser an.

Auch wenn die Wahl schmückender Gegenstände nicht allein aufgrund einer Statusanzeige im Sinne der landläufigen Bedeutung – die vor allem recht plumpe, stereotype Ausprägungen einer kleinbürgerlichen Übererfüllung, wie z. B. den Angeber-Mercedes oder die dicke goldene „Protz“-Kette meint – erfolgt, so ist doch eine expressive Funktion hier die zentrale.

Stereotype Statussymbole werden beispielsweise oft, gern auch in humoristisch überzeichneter Form, beispielsweise der Berufsgruppe des Zuhälters zugeschrieben. Nicht zuletzt, um so die spezielle Mentalität eines scheinbaren Aufsteigers aus unteren gesellschaftlichen Schichten zu kennzeichnen, der „typisch neureich“ einzig zu materiellem, aber keinem nennenswerten kulturellem Kapital gekommen ist – und dem somit jedes Feingefühl für maßvolle Statusakzente fehlt. Einem stereotypen Zuhälter fehlt das Wissen der Status-Elite, dass weniger auch mehr sein kann bzw. muss, da er seinen alten Unterschicht-Strategien noch verhaftet ist, bei denen es um eine Zurschaustellung von Kraft, Macht und monetärer Potenz auf wenig subtile Weise geht.

aus: Habseligkeiten, Tina Skulima

Bild: Oecher68 / Pixelio.de

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