Zeige mir deine Sachen und ich sage dir, wer du bist.

Zu dem Thema gibt’s in New York viel zu sehen und auch viel zu fotografieren, so scheint’s. Todd Selby hatte dabei wohl keine Angst, von zu viel Kram erschlagen zu werden oder vor Neid im Erdboden zu versinken, wenn sich die kreativen Seelen von Big Apple gegenseitig übertrumpfen in den Kategorien Wildness, Originality und super viel Space zum Leben, Chillen und Sex haben (garantiert keinen Blümchensex!).

Ich bin ordentlich hin- und hergerissen, ob ich auch in einem groß angelegten Kleinod wohnen möchte oder es vielleicht schon tue – also ich weiß nicht, wie ich das Gesehene finde, aber ich weiß, dass es hier prima reinpasst. Danke, Kai, du alter Stylespion und unbekannterweise auch an Erstentdeckerin Julia.

Ich habe auf jeden Fall schonmal gelernt, dass ein Wust bunter Dinge in einem großen Raum mit Parkett immer recht „decent“ aussieht, in einer kleinen Hütte dagegen eher weniger bohemian …

Zemanta Pixie

Habseligkeit, unser Buch.

So könnte es aussehen, unser Gemeinschaftswerk über die kommunikativen Funktionen von Alltagsgegenständen.

Habseligkeiten
Konzeption und Entwurf einer Publikation über die kommunikativen Funktionen von Alltagsgegenständen

Alle Theorie ist grau, die Bibliothek eine Bleiwüste. Mittendrin:
die geisteswissenschaftliche Arbeit „Habseligkeiten“, die Alltagsgegenstände auf ihre kommunikativen Qualitäten hin untersucht. Das konzeptionelle Gestaltungsziel der Diplomarbeit ist die Abkehr von der ästhetischen Monotonie wissenschaftlicher Literatur – hin zu besserer Verständlichkeit, einer klareren Struktur und vor allem einer spürbaren Erleichterung der Merkleistung durch visuelle Anker, die den Inhalt stützen, ohne ihn zu verfremden oder zu überlagern: Ziel ist die Verwandlung in ein aufmerksamkeitsstarkes „Sachfachbuch“. Die Umsetzung nutzt schlichte, aber wirksame Mittel: prägnante typographische Elemente und fotografische Illustrationen. Die Fotografien sind dokumentarisch-unprätentiös angelegt. In Beziehung gesetzt werden die Gegenstände mit der „menschlichen“ Ebene, die auf transparenten Seiten dazugeschaltet werden. Platzhalter für den Menschen bilden Miniaturfigürchen in Posen mit hohem Wiedererkennungswert.

Diplomarbeit
Wintersemester 2006/07
Bergische Universität Wuppertal
Referenten: Prof. Uwe Loesch, Prof. Dr. Gerda Breuer


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Die Trennung – das ungeliebte Ende jeder Dingbeziehung.

Warum wir uns nur schwer von unseren Sachen trennen können

[Psychologie/Wirtschaftswissenschaften]

Stanford (USA) – Ob Plunder oder Preziosen – der Mensch hängt an dem, was er besitzt. Sobald er von seinen Besitztümern etwas weggeben soll – verschenken, verkaufen oder wegwerfen -, überkommt ihn ein mehr oder weniger starker Trennungsschmerz.

Things
Creative Commons License photo credit: Jo Jakeman

Wie die Wirtschaftspsychologie bereits erkannt hat, verkauft der Mensch seine Dinge, sofern er sie überhaupt verkauft, zu einem deutlich höheren Preis als er sie selbst kaufen würde. In der Forschung spricht man daher vom „Besitztumseffekt“. Jetzt haben amerikanische Neurowissenschaftler herausgefunden, dass der Besitztumseffekt seinen festen Platz im Gehirn hat. Wie sie in der Fachzeitschrift „Neuron“ darlegen, lässt sich in der Region der so genannten Insula die individuelle Ausprägung des Besitztumseffektes nachweisen.

Der Besitztumseffekt ist für die Wirtschaftswissenschaft eigentlich etwas, was es nicht geben dürfte. Denn ob jemandem etwas gehört oder nicht, sollte keinen Einfluss auf den Grad der Wertschätzung eines bestimmten Gegenstandes haben. „Während der Besitztumseffekt regelmäßig und robust sowohl unter Laborbedingungen als auch in natürlichen Situationen nachweisbar ist, waren die psychologischen und neuronalen Mechanismen, die ihm zugrundeliegen, bislang völlig unklar“, erklärt Brian Knutson von der Stanford University. Weiterlesen

Alles nur wegen Sex.

Wozu der ganze Kram, all die Dinge, der olle Konsum? Aus vernünftigen Beweggründen? Weit gefehlt.

Was mein „Habseligkeit“ mühsam sorgfältig auf ca. 150 Seiten fein herausziseliert, das bloggt der Wolf einfach mal da so hin.




Dinge
Creative Commons License photo credit: r000pert

Die Erkenntnis selbst kriegt nicht mal nen eigenen Beitrag oder ne dezidierte Headline – nö, mittendrin liegt die Erkenntnis einfach so rum: Alles wegen Sex. Kaufen, sammeln, auswählen, umhängen, anziehen, drapieren, ausstellen, zeigen, erzählen, ansparen, bestellen. Nur deswegen.

Aber eine weiterführende Pointe hab ich noch im Ärmel. Oder vielmehr in der Habseligkeit. 🙂

Meins Taschen.

Gerade fand ich die Seite meins taschen, die Taschen mit integrierten Schaufensterchen feilbietet.

Cat for Sale
(c) photo credit: realname

Das passt doch perfekt zu meiner Magisterarbeit, aus der ich an dieser Stelle mal zitieren darf, weil’s passt:

Koordinierte Selektion und Klassifikation

Das Phänomen der Selektion greift bei gegenständlich vermittelter Kommunikation auf zwei Seiten an: sowohl beim Sender bzw. Ding-Verwender (Ding-Besitzer bzw. -Zeiger) als auch beim Betrachter des Gegenstandes steht eine Auswahl an: „Was will ich zeigen? sowie „Was will ich sehen, welchem Ausschnitt des Gesehenen messe ich welche Relevanz und welche Bedeutung zu?“

Die Auswahl der zu übermittelnden Information findet beim Erwerb eines Dings und mit der Ausstattung der eigenen Person (z. B. beim morgendlichen Bekleiden im hinsichtlich des jeweiligen Tagesplanes) oder des eigenen Territoriums (der Wohn- oder Arbeitsumwelt) in Hinblick auf ein potenzielles, mehr oder weniger ewartbares Publikum statt – also nur sehr bedingt im Sinne von kurzfristig variabler, spontaner actio und reactio. Allerdings lassen sich Dinge, beispielsweise bei einem nach Dafürhalten des Objektverwenders „unpassendem“ potenziellen Rezipienten, zum Teil spontan akzentuiert „herzeigen“ oder „verbergen“ – und so Information betonen oder deren Mitteilung verhindern.

EDIT: Am 24. Oktober 2009 find ich die meins taschen wieder, diesmal bei der Taschenqueen. 🙂 Da sieht man auch die Taschen in ihrer vollen Pracht – und ein kleines Making of …

Die Essenz aller Dinge.

Inspiriert von einer ZEIT-Kolumne von Herrn Martenstein bloggte Antje kürzlich über die stetige Verschönerung des eigenen Lebens (oder zumindest der konstanten Evolution der eigenen Lebenswelt hin zum Besseren, Ästhetischeren und Wichtigeren): Nur das, was wirklich, wirklich wichtig ist.

Eine Essenz (ja!):

Es geht darum, dass Herr Martenstein sich von Büchern aus seinem Bücherregal verabschiedet, die eigentlich gar nicht so wichtig sind. […] Und für jedes neue Buch, das er behalten möchte, wird ein vorhandenes aussortiert, so dass es nicht mehr werden, die Qualität aber stetig steigt. Und irgendwann hat man nur noch Lieblingsbücher im Regal. Das Prinzip lässt sich auch auf alle anderen Besitztümer anwenden. Man komprimiert und dampft alles im Laufe der Jahre so weit zusammen, dass man irgendwann nur noch die pure Essenz hat – so wird das Leben immer schöner, denn das Wichtigste ist, dass der Maßstab ausschließlich der eigene ist! Eine wunderbare Vorstellung.

Front of the 'Library'
Creative Commons License photo credit: General Wesc

Ich geb’s zu: Mir fällt es schwer, mich von Dingen zu trennen, auch wenn ich nicht übel Lust dazu hätte, mal so einiges rauszuwerfen. Aber dann schleicht sich doch der Gedanke ein: Eine größere Wohnung, das wäre doch die Lösung … 😉

Erinnerdinge.

Ein klein wenig überrascht bin ich jedesmal, wenn ich jemanden finde, der sich auch mit der Bedeutung von Dingen, von scheinbar profanen Alltagsgegenständen, befasst. Meine Schwester machte mich diesmal aufmerksam auf einen Artikel in der aktuellen PAGE, der auf die Seite des Projektes Erinnerdinge verweist.

Worum geht es da?

Laut Selbstauskunft der Seite geht es um folgende Aspekte:

Erinnerdinge sind persönliche Dinge, die uns einfach nicht verlassen wollen. Dinge, die wir schon xmal in Umzugskartons gepackt und wieder hervorgeholt haben. Es ist schwer sich von ihnen zu trennen, weil sie mit bestimmten Erinnerungen verbunden sind. (…)

Auf erinnerdinge.de finden die Geschichten der Dinge, die sonst vielleicht nie erzählt würden, ein neues Zuhause. Sie sagen uns, wer wir sind und woher wir kommen.


Creative Commons License photo credit: acidcookie

Katrin Imhof sammelt auf der Seite Dinge verschiedener Menschen und ihre Geschichten, sozusagen als virtuelles Archiv für Memorabilia.

Meine Schwester und ich haben auch einmal beschlossen und – inspiriert durch die „Abschiedsfotos“ von Gegenständen, die wir bei eBay einstellten -, damit begonnen, uns die Trennung von Dingen durch ihr Platz sparendes fotografisches Bewahren zu erleichtern …

Ein Tisch ist ein Tisch ist ein Tisch.

Diese Geschichte zu Dingen und Worten wurde mir vom so eloquenten wie vielseitig interessierten Herrn Buttenmüller zugetragen – vielen Dank dafür!

Peter Bichsel,  seines Zeichens Schweizer Schriftsteller, hat eine anregende Kurzgeschichte zur Dingwelt geschrieben, eine melancholische Anekdote zur Signifikat und Signifikant, zu Verständigung und Kommunikation. So eine Kurzgeschichte ist selbstredend unblogbar, Auszüge einzustellen verbietet sich – aber das ganze Werk „Ein Tisch ist ein Tisch“ findet sich hier, nur einen Klick weit weg.

Wie wichtig sind Möbel?

Prof. Dr. Peter Zec, mein ehemaliger Chef im Design Zentrum Nordrhein-Westfalen, meint dazu:

Peter Zec: Es sind die Dinge, mit denen wir uns umgeben, die wir von morgens bis abends vor Augen haben und mit denen wir unser Leben schöner machen. Und Möbel sind auch ein Stück weit von der Konjunktur unabhängig: Ein Stuhl muss ja nicht von heute auf morgen ausgetauscht werden – selbst wenn er schon Verschleißerscheinungen zeigt. Man entwickelt zu Möbeln auch ein sehr individuelles Verhältnis. Jeder hat seine Lieblingsstücke, von denen man sich nur schwer trennt.

WDR.de: Was sagen Möbel über einen Menschen aus?

Peter Zec: Sie sind ähnlich wie Kleidungsstücke – nur dass man bei Möbeln in einer anderen Intimsphäre lebt. Mit Kleidung muss ich mich auf die Straße begeben und bin dadurch vielleicht ein bisschen konformer. Bei Möbeln kann ich selbst entscheiden, wer die sieht. Insofern sagen Möbel sehr viel darüber, wie die Menschen wirklich sind: Manche richten sich viel konservativer ein, als beispielsweise die Kleidung vermuten lässt.

und er meint noch mehr.

Kleidung spricht.

auch im mediationsblog ist von der sprache der dinge die rede, diesmal von kleidung. denn auch kleidung sagt der umwelt was über die person, vielleicht ist mode sogar das anschaulichste beispiel für die kommunikativen und koorientierenden funktionen von gegenständen. das überaus komplexe thema wird hier nur angerissen. ja, darüber kann man ewig nachdenken, forschen, sinnieren.

corporate fashion ist dabei nur ein kleiner ausschnitt – die firmenzugehörigkeit durch kleidungsstücke auszudrücken ist nur eine bedeutungsebene. uniformen machen ja nur einen kleinen teil, wenn auch einen sehr beschränkt und sehr konkret kommunizierenden teil des kommunikativen kleiderschranks aus. gerade die zivile mode, die tägliche kleidungsauswahl, die in der kindheit noch die mama übernahm, sagt uns jede menge über den menschen, seinen stil, seine präferenzen, seine befindlichkeit.