Porsche fahren, Porsche gehen.

Braucht die Welt Autofahrer-Schuhe von Porsche, mit Längsrillen am einen und Antirutschmatte am rechten Fuß? Ich meine: nein. Aber ich gehöre auch nicht zur Zielgruppe dieser überaus kommunikativen Fußbekleidung, die SpOn nicht unkritisch präsentiert:

Und noch eine Neuheit gibt es an der Sohle, nämlich „die offengelegte Gelenkfeder“. Statt wie bisher eine Stahlfeder zwischen Ferse und Vorderfuß einzusetzen, ist in die Porsche-Modelle ein keilförmiges Aluminiumelement sichtbar in die Sohle integriert. Schließlich sollen Passanten auch erkennen, dass es sich um ein ganz abgefahrenes Modell handelt.

Während der Spaziergang also etwas unrund ablaufen dürfte, schreit dieser Schuh fortwährend: „Ich fahre Porsche, laufe Porsche, ich esse Porsche und wohne Porsche.“ Wie sympathisch diese Botschaft bei inflationärem, eindeutig unprätentiösem Gebrauch wirkt, möge jeder für sich entscheiden. Tendenziell kommt allerdings wohl mittlerweile Understatement auch im Hochpreissektor besser an.

Auch wenn die Wahl schmückender Gegenstände nicht allein aufgrund einer Statusanzeige im Sinne der landläufigen Bedeutung – die vor allem recht plumpe, stereotype Ausprägungen einer kleinbürgerlichen Übererfüllung, wie z. B. den Angeber-Mercedes oder die dicke goldene „Protz“-Kette meint – erfolgt, so ist doch eine expressive Funktion hier die zentrale.

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Zeige mir deine Sachen und ich sage dir, wer du bist.

Zu dem Thema gibt’s in New York viel zu sehen und auch viel zu fotografieren, so scheint’s. Todd Selby hatte dabei wohl keine Angst, von zu viel Kram erschlagen zu werden oder vor Neid im Erdboden zu versinken, wenn sich die kreativen Seelen von Big Apple gegenseitig übertrumpfen in den Kategorien Wildness, Originality und super viel Space zum Leben, Chillen und Sex haben (garantiert keinen Blümchensex!).

Ich bin ordentlich hin- und hergerissen, ob ich auch in einem groß angelegten Kleinod wohnen möchte oder es vielleicht schon tue – also ich weiß nicht, wie ich das Gesehene finde, aber ich weiß, dass es hier prima reinpasst. Danke, Kai, du alter Stylespion und unbekannterweise auch an Erstentdeckerin Julia.

Ich habe auf jeden Fall schonmal gelernt, dass ein Wust bunter Dinge in einem großen Raum mit Parkett immer recht „decent“ aussieht, in einer kleinen Hütte dagegen eher weniger bohemian …

Zemanta Pixie

Habseligkeit, unser Buch.

So könnte es aussehen, unser Gemeinschaftswerk über die kommunikativen Funktionen von Alltagsgegenständen.

Habseligkeiten
Konzeption und Entwurf einer Publikation über die kommunikativen Funktionen von Alltagsgegenständen

Alle Theorie ist grau, die Bibliothek eine Bleiwüste. Mittendrin:
die geisteswissenschaftliche Arbeit „Habseligkeiten“, die Alltagsgegenstände auf ihre kommunikativen Qualitäten hin untersucht. Das konzeptionelle Gestaltungsziel der Diplomarbeit ist die Abkehr von der ästhetischen Monotonie wissenschaftlicher Literatur – hin zu besserer Verständlichkeit, einer klareren Struktur und vor allem einer spürbaren Erleichterung der Merkleistung durch visuelle Anker, die den Inhalt stützen, ohne ihn zu verfremden oder zu überlagern: Ziel ist die Verwandlung in ein aufmerksamkeitsstarkes „Sachfachbuch“. Die Umsetzung nutzt schlichte, aber wirksame Mittel: prägnante typographische Elemente und fotografische Illustrationen. Die Fotografien sind dokumentarisch-unprätentiös angelegt. In Beziehung gesetzt werden die Gegenstände mit der „menschlichen“ Ebene, die auf transparenten Seiten dazugeschaltet werden. Platzhalter für den Menschen bilden Miniaturfigürchen in Posen mit hohem Wiedererkennungswert.

Diplomarbeit
Wintersemester 2006/07
Bergische Universität Wuppertal
Referenten: Prof. Uwe Loesch, Prof. Dr. Gerda Breuer


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Alles nur wegen Sex.

Wozu der ganze Kram, all die Dinge, der olle Konsum? Aus vernünftigen Beweggründen? Weit gefehlt.

Was mein „Habseligkeit“ mühsam sorgfältig auf ca. 150 Seiten fein herausziseliert, das bloggt der Wolf einfach mal da so hin.




Dinge
Creative Commons License photo credit: r000pert

Die Erkenntnis selbst kriegt nicht mal nen eigenen Beitrag oder ne dezidierte Headline – nö, mittendrin liegt die Erkenntnis einfach so rum: Alles wegen Sex. Kaufen, sammeln, auswählen, umhängen, anziehen, drapieren, ausstellen, zeigen, erzählen, ansparen, bestellen. Nur deswegen.

Aber eine weiterführende Pointe hab ich noch im Ärmel. Oder vielmehr in der Habseligkeit. 🙂

Meins Taschen.

Gerade fand ich die Seite meins taschen, die Taschen mit integrierten Schaufensterchen feilbietet.

Cat for Sale
(c) photo credit: realname

Das passt doch perfekt zu meiner Magisterarbeit, aus der ich an dieser Stelle mal zitieren darf, weil’s passt:

Koordinierte Selektion und Klassifikation

Das Phänomen der Selektion greift bei gegenständlich vermittelter Kommunikation auf zwei Seiten an: sowohl beim Sender bzw. Ding-Verwender (Ding-Besitzer bzw. -Zeiger) als auch beim Betrachter des Gegenstandes steht eine Auswahl an: „Was will ich zeigen? sowie „Was will ich sehen, welchem Ausschnitt des Gesehenen messe ich welche Relevanz und welche Bedeutung zu?“

Die Auswahl der zu übermittelnden Information findet beim Erwerb eines Dings und mit der Ausstattung der eigenen Person (z. B. beim morgendlichen Bekleiden im hinsichtlich des jeweiligen Tagesplanes) oder des eigenen Territoriums (der Wohn- oder Arbeitsumwelt) in Hinblick auf ein potenzielles, mehr oder weniger ewartbares Publikum statt – also nur sehr bedingt im Sinne von kurzfristig variabler, spontaner actio und reactio. Allerdings lassen sich Dinge, beispielsweise bei einem nach Dafürhalten des Objektverwenders „unpassendem“ potenziellen Rezipienten, zum Teil spontan akzentuiert „herzeigen“ oder „verbergen“ – und so Information betonen oder deren Mitteilung verhindern.

EDIT: Am 24. Oktober 2009 find ich die meins taschen wieder, diesmal bei der Taschenqueen. 🙂 Da sieht man auch die Taschen in ihrer vollen Pracht – und ein kleines Making of …