Seinfeld – Stand-up über Geschenke und das Wegwerfen

Alle Dinge sind Müll in verschiedenen Stadien. Jerry Seinfeld verrät in einer Stand-by-Nummer bei Jimmy Fallon, dass er – anders als seine Frau – ein natural born Wegwerfer ist. Und dass Sachen aus der Garage nie zurückkehren …

Sachen sammeln, jagen, haben – und das Museum der Dinge.

Ich sammle. Vor allem Blogartikel, die nicht mit „Uiuiuiui, der ist aber lange her, der letzte Eintrag“ anfangen. Aber ich sammle auch Dinge. Produkte, Sachen, Gegenstände. Um später wieder zu entrümpeln. Dazu Gedanken über alltägliche Dinge. Warum man die haben möchte, sammeln, behalten, archivieren, ins Regal stellen, nicht loslassen. Darüber hab ich meine Magisterarbeit geschrieben, darüber denke ich aber auch berufsbedingt immer wieder mal nach, denn als Werbetexterin ist es mein Job, Menschen zu sagen, warum ein gewisses Ding ihr Leben bereichern könnte. (Übrigens nicht um jeden Preis, ein allzu aufdringliches Verkaufen liegt mir nicht so, ich seh mich da eher als Vermittlerin, vielleicht.) Erstaunt stell ich dann immer mal wieder fest, dass sich auch andere Menschen mit „meinem“ Leibundmagenthema befassen. Heute war’s meine Kollegin Alice Scheerer, die im SlowLifeLab über ihre Sammlungen und das Museum der Dinge in Berlin schreibt.

Da ich im Haus meiner Oma einen alten Küchentisch mit Linoleumtischplatte fand, von dem eine liebe Freundin meinte, er könne aus einer „Frankfurter Küche“ stammen, fand ich den dazugehörigen Teil besonders spannend:

„Ein eigener Raum ist der Frankfurter Küche gewidmet, einer der ersten Einbauküchen. Sie wurde von der Architektin Margarete Schütte-Lihotzky7 nach Gesichtspunkten der Arbeitsoptimierung, Platzersparnis und Bezahlbarkeit entworfen.“

Leider hab ich die Blogparade zum Thema Sammeln vom Bügeleisenhaus in Hattingen (was es nicht alles gibt – ist das das Gegenstück zum Flat Iron Building in New York hier im Ruhrgebiet?) auch verpasst, aber da sie natürlich vortrefflich zum Thema Dinge, Artikel und Produkte passt, zum Haben, Sammeln und Behalten, sei sie hier noch rasch verlinkt.

Die Macht der Dinge.

Frau Herold von CAT Innovations schreibt da etwas sehr Interessantes, das auch auf Habseligkeit sehr gut hätte „zuerst“ stehen können – oder hier auch schon steht, unter anderem im allerersten Eintrag. Sie beschreibt einen Kern von Habseligkeit und dem noch zu veröffentlichen Buch „Kommunikative Funktionen von Alltagsgegenständen“ sehr schön:

In der letzten oder vorletzten Psychologie heute stand ein Artikel darüber, wie Sachen ihre Besitzer „konstituieren“, und wie Dinge von vielen Menschen als Bestandteil der eigenen Person angesehen werden; das würde einem allerdings oft erst so richtig bewusst, wenn man bestohlen wird. Oder wenn man als alter Mensch in die Senioren-Residenz (Ah! Deutsche Euphemismen: unübertroffen!) eincheckt. Ein Bett, ein Tisch, ein Sessel, die Glotze, das eine oder andere Buch, bisschen Nippes, paar Familienfotos. Zeug, an dem man hängt, weil es einen an etwas erinnert: An sich selbst… Ich komme drauf, weil ich gerade einem Freund beim Umzug helfe – (…)

Die Ausgabe mit dem Artikel „Wir sind, was wir haben“ von Annette Schäfer hab ich gleich mal bestellt. Ich bin gespannt, wie viel Neues hier drinsteht, denn Dinge und Identität sind ja auch eines meiner „Forschungsgebiete“ sowie  Titel meiner ersten Publikation bei Amazon 😉 – also wenn ich denn mal zum forschen komme …

Dinge kommunizieren natürlich nicht nur mit den Menschen in unserer Umwelt, sie reflektieren auch für uns und auf uns selbst, wer wir sind, wo wir stehen und wie wir fühlen. Dabei geht es natürlich um Quantität ebenso wie um Qualität. Eine Reduktion der Dinge, eine Konzentration auf das Wesentliche, das scheint mir ein ganz schönes Ziel zu sein, aber zum Mitmachen bei dieser Aktion hab ich dann doch wenig Lust. Wahrscheinlich befinden sich schon auf meinem Schreibtisch mehr als nur Siebensachen …

Und da fällt mir David Bruno mit seiner „100 Things Challenge“ ein – der Typ versucht, mit „nur“ hundert Sachen auszukommen. In USA und Deutschland ein interessantes Experiment – in anderen Breiten wären eine Menge Leute froh, mehr als ein Essgeschirr und etwas zum Anziehen ihr Eigen zu nennen. Wir mit unserem Besitz-Fimmel, wir brauchen doch ehrlich alle eine Therapie.

Die 100-Dinge-Challenge dürfte dieser Tage zu Ende gehen, ich werde mal bei Facebook gucken gehen, wie sich das Projekt so angelassen hat. Ist weniger wirklich mehr?

Kreativ-Award für Habseligkeit. ♥

Das kommt davon, wenn man meint, einen Beitrag längst veröffentlicht zu haben, der aber noch in den Entwürfen ruht – wobei das mit Obama ja nach wie vor aktuell ist … So here we go:

Aus heiterem Himmel kam die Verleihung und damit ein bisschen wie der Nobelpreis zu Obama – als Vorschusslorbeeren. Denn ich bin doch hier noch gar nicht so richtig fertig mit der Sammlung von Habseligkeiten, noch gar nicht ganz eingerichtet mit meinem Sammelsurium von Gegenständen, Konsumartikeln und Gadgets, die die Welt mehr oder weniger braucht, da werde ich schon awardiert …

Vielen Dank, liebe Susi, ich fühle mich sehr geehrt! Auch diese Geschichte kam übrigens ehedem zunächst von Berlinessa über den Ozean geschwebt.

Gemäß der Regularien sollen sich hier also dann auch noch 7 bislang wenig bekannte Tatsachen über mich finden … Nun gut.

1. Ich bin eine elendige Jägerin und Sammlerin, wenn’s um Dinge geht. Nee, kein Messie. Aber wenn es noch funktioniert, kann ich es schwerlich wegwerfen. Für eBay und Trödelmarkt fehlt momentan die Zeit, aber das kommt … siehe Punkt 4.

2. Dinge mit Augen kann ich gar nicht in den Müll stecken. Ich weiß gar nicht, wie ich die frühkindlichen Schmusetiere wieder losgeworden bin, wahrscheinlich auf Umwegen oder jemand hat es mir abgenommen.

3. Weder Schmusetiere noch Puppen haben mir als Kind so wirklich was gesagt. Was nicht heißt, dass ich begeistert war, als meine Schwester meine Barbies enthauptete.

4. Ein Raum der Wohnung ist derzeit tatsächlich noch exklusiv diversen Gegenständen gewidmet. Weiterlesen

Animismus: Lebendige Gegenstände.

„Die Briefmarken kichern. Die Büroklammern näseln. Der Radiergummi macht sich klein. Der Spitzer überlegt sich ein Alibi.“

Zu dieser animistischen Geschichte über das Eigenleben von Dingen, in der Autorin Nessa Altura eine Clique von Büroartikeln perfide Pläne spinnen lässt, passt eine Passage meiner „Forschungsarbeit“ zu kommunikativen Funktionen von Gegenständen, ganz hervorragend als theoretische Sekundärliteratur:

Animismus benennt das Phänomen der Zuschreibung der Attribute „lebendig“ und „beseelt“ auf Dinge der unbelebten Welt. So unterscheidet der Früh­mensch zunächst nicht zwischen toten Dingen und lebenden Wesen; alle Entitäten sind ihm zunächst belebte Unwesen, die er erst durch Namensgebung fassbar macht. Was den Urmenschen gleichgültig lässt, das nimmt er gar nicht erst wahr. Eine Informationsschrift der Überseeischen Missionsgesellschaft beschreibt Animismus als „[…] jede Religion […], die glaubt, dass alle Gegenstände und Lebewesen von Geistern beeinflusst sind und die Geisterwelt im Leben der Menschen und in der Welt aktiv ist. Animismus ist in vielen Stammes- und Naturreligionen vertreten, welche bereits existierten, ehe die großen Weltreligionen […] Einzug hielten.“ (Überseeische Missionsgesellschaft, 2000)

Mauss berichtet in diesem Zusammenhang vom hau, dem „Geist der Sachen“, an den die Maori glauben. Danach rächt sich dieser, wenn jemand einen Gegenstand, den er geschenkt bekommt, weitergibt und dies mit einem anderen Gegenstand bezahlt bekommt, ohne diese zweite Gabe an den Schenker des ersten Gegenstandes weiterzugeben (vgl. Mauss, 1968, 32f). Die im Maori-Recht durch eine Sache gestiftete Bindung bezeichnet Mauss als „Seelen-Bindung, denn die Sache selbst hat eine Seele, ist Seele.“ (ebd. 35)

[…] Demnach verfolgen Dinge scheinbar „eigene“ Absichten, die ihnen, meist entgegen der menschlichen Intentionen, zugeschrieben werden. Albers verweist auf die „Tücke des Objekts“ als „Heimtücke“ fremd und unheimlich gewordener Gegenstände (vgl. Albers, 2003, 7). Weiterlesen

Zeige mir deine Sachen und ich sage dir, wer du bist.

Zu dem Thema gibt’s in New York viel zu sehen und auch viel zu fotografieren, so scheint’s. Todd Selby hatte dabei wohl keine Angst, von zu viel Kram erschlagen zu werden oder vor Neid im Erdboden zu versinken, wenn sich die kreativen Seelen von Big Apple gegenseitig übertrumpfen in den Kategorien Wildness, Originality und super viel Space zum Leben, Chillen und Sex haben (garantiert keinen Blümchensex!).

Ich bin ordentlich hin- und hergerissen, ob ich auch in einem groß angelegten Kleinod wohnen möchte oder es vielleicht schon tue – also ich weiß nicht, wie ich das Gesehene finde, aber ich weiß, dass es hier prima reinpasst. Danke, Kai, du alter Stylespion und unbekannterweise auch an Erstentdeckerin Julia.

Ich habe auf jeden Fall schonmal gelernt, dass ein Wust bunter Dinge in einem großen Raum mit Parkett immer recht „decent“ aussieht, in einer kleinen Hütte dagegen eher weniger bohemian …

Zemanta Pixie

Die Trennung – das ungeliebte Ende jeder Dingbeziehung.

Warum wir uns nur schwer von unseren Sachen trennen können

[Psychologie/Wirtschaftswissenschaften]

Stanford (USA) – Ob Plunder oder Preziosen – der Mensch hängt an dem, was er besitzt. Sobald er von seinen Besitztümern etwas weggeben soll – verschenken, verkaufen oder wegwerfen -, überkommt ihn ein mehr oder weniger starker Trennungsschmerz.

Things
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Wie die Wirtschaftspsychologie bereits erkannt hat, verkauft der Mensch seine Dinge, sofern er sie überhaupt verkauft, zu einem deutlich höheren Preis als er sie selbst kaufen würde. In der Forschung spricht man daher vom „Besitztumseffekt“. Jetzt haben amerikanische Neurowissenschaftler herausgefunden, dass der Besitztumseffekt seinen festen Platz im Gehirn hat. Wie sie in der Fachzeitschrift „Neuron“ darlegen, lässt sich in der Region der so genannten Insula die individuelle Ausprägung des Besitztumseffektes nachweisen.

Der Besitztumseffekt ist für die Wirtschaftswissenschaft eigentlich etwas, was es nicht geben dürfte. Denn ob jemandem etwas gehört oder nicht, sollte keinen Einfluss auf den Grad der Wertschätzung eines bestimmten Gegenstandes haben. „Während der Besitztumseffekt regelmäßig und robust sowohl unter Laborbedingungen als auch in natürlichen Situationen nachweisbar ist, waren die psychologischen und neuronalen Mechanismen, die ihm zugrundeliegen, bislang völlig unklar“, erklärt Brian Knutson von der Stanford University. Weiterlesen

Alles nur wegen Sex.

Wozu der ganze Kram, all die Dinge, der olle Konsum? Aus vernünftigen Beweggründen? Weit gefehlt.

Was mein „Habseligkeit“ mühsam sorgfältig auf ca. 150 Seiten fein herausziseliert, das bloggt der Wolf einfach mal da so hin.




Dinge
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Die Erkenntnis selbst kriegt nicht mal nen eigenen Beitrag oder ne dezidierte Headline – nö, mittendrin liegt die Erkenntnis einfach so rum: Alles wegen Sex. Kaufen, sammeln, auswählen, umhängen, anziehen, drapieren, ausstellen, zeigen, erzählen, ansparen, bestellen. Nur deswegen.

Aber eine weiterführende Pointe hab ich noch im Ärmel. Oder vielmehr in der Habseligkeit. 🙂