Die Macht der Dinge.

Dezember 23rd, 2009

Frau Herold von CAT Innovations schreibt da etwas sehr Interessantes, das auch auf Habseligkeit sehr gut hätte “zuerst” stehen können – oder hier auch schon steht, unter anderem im allerersten Eintrag. Sie beschreibt einen Kern von Habseligkeit und dem noch zu veröffentlichen Buch “Kommunikative Funktionen von Alltagsgegenständen” sehr schön:

In der letzten oder vorletzten Psychologie heute stand ein Artikel darüber, wie Sachen ihre Besitzer „konstituieren“, und wie Dinge von vielen Menschen als Bestandteil der eigenen Person angesehen werden; das würde einem allerdings oft erst so richtig bewusst, wenn man bestohlen wird. Oder wenn man als alter Mensch in die Senioren-Residenz (Ah! Deutsche Euphemismen: unübertroffen!) eincheckt. Ein Bett, ein Tisch, ein Sessel, die Glotze, das eine oder andere Buch, bisschen Nippes, paar Familienfotos. Zeug, an dem man hängt, weil es einen an etwas erinnert: An sich selbst… Ich komme drauf, weil ich gerade einem Freund beim Umzug helfe – (…)

Die Ausgabe mit dem Artikel “Wir sind, was wir haben” von Annette Schäfer hab ich gleich mal bestellt. Ich bin gespannt, wie viel Neues hier drinsteht, denn Dinge und Identität sind ja auch eines meiner “Forschungsgebiete” sowie  Titel meiner ersten Publikation bei Amazon ;-) – also wenn ich denn mal zum forschen komme …

Dinge kommunizieren natürlich nicht nur mit den Menschen in unserer Umwelt, sie reflektieren auch für uns und auf uns selbst, wer wir sind, wo wir stehen und wie wir fühlen. Dabei geht es natürlich um Quantität ebenso wie um Qualität. Eine Reduktion der Dinge, eine Konzentration auf das Wesentliche, das scheint mir ein ganz schönes Ziel zu sein, aber zum Mitmachen bei dieser Aktion hab ich dann doch wenig Lust. Wahrscheinlich befinden sich schon auf meinem Schreibtisch mehr als nur Siebensachen …

Und da fällt mir David Bruno mit seiner „100 Things Challenge“ ein – der Typ versucht, mit „nur“ hundert Sachen auszukommen. In USA und Deutschland ein interessantes Experiment – in anderen Breiten wären eine Menge Leute froh, mehr als ein Essgeschirr und etwas zum Anziehen ihr Eigen zu nennen. Wir mit unserem Besitz-Fimmel, wir brauchen doch ehrlich alle eine Therapie.

Die 100-Dinge-Challenge dürfte dieser Tage zu Ende gehen, ich werde mal bei Facebook gucken gehen, wie sich das Projekt so angelassen hat. Ist weniger wirklich mehr?

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Kreativ-Award für Habseligkeit. ♥

Dezember 11th, 2009

Das kommt davon, wenn man meint, einen Beitrag längst veröffentlicht zu haben, der aber noch in den Entwürfen ruht – wobei das mit Obama ja nach wie vor aktuell ist … So here we go:

Aus heiterem Himmel kam die Verleihung und damit ein bisschen wie der Nobelpreis zu Obama – als Vorschusslorbeeren. Denn ich bin doch hier noch gar nicht so richtig fertig mit der Sammlung von Habseligkeiten, noch gar nicht ganz eingerichtet mit meinem Sammelsurium von Gegenständen, Konsumartikeln und Gadgets, die die Welt mehr oder weniger braucht, da werde ich schon awardiert …

Vielen Dank, liebe Susi, ich fühle mich sehr geehrt! Auch diese Geschichte kam übrigens ehedem zunächst von Berlinessa über den Ozean geschwebt.

Gemäß der Regularien sollen sich hier also dann auch noch 7 bislang wenig bekannte Tatsachen über mich finden … Nun gut.

1. Ich bin eine elendige Jägerin und Sammlerin, wenn’s um Dinge geht. Nee, kein Messie. Aber wenn es noch funktioniert, kann ich es schwerlich wegwerfen. Für eBay und Trödelmarkt fehlt momentan die Zeit, aber das kommt … siehe Punkt 4.

2. Dinge mit Augen kann ich gar nicht in den Müll stecken. Ich weiß gar nicht, wie ich die frühkindlichen Schmusetiere wieder losgeworden bin, wahrscheinlich auf Umwegen oder jemand hat es mir abgenommen.

3. Weder Schmusetiere noch Puppen haben mir als Kind so wirklich was gesagt. Was nicht heißt, dass ich begeistert war, als meine Schwester meine Barbies enthauptete.

4. Ein Raum der Wohnung ist derzeit tatsächlich noch exklusiv diversen Gegenständen gewidmet. Continue reading »

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Animismus: Lebendige Gegenstände.

September 29th, 2009

“Die Briefmarken kichern. Die Büroklammern näseln. Der Radiergummi macht sich klein. Der Spitzer überlegt sich ein Alibi.”

Zu dieser animistischen Geschichte über das Eigenleben von Dingen, in der Autorin Nessa Altura eine Clique von Büroartikeln perfide Pläne spinnen lässt, passt eine Passage meiner “Forschungsarbeit” zu kommunikativen Funktionen von Gegenständen, ganz hervorragend als theoretische Sekundärliteratur:

Animismus benennt das Phänomen der Zuschreibung der Attribute „lebendig“ und „beseelt“ auf Dinge der unbelebten Welt. So unterscheidet der Früh­mensch zunächst nicht zwischen toten Dingen und lebenden Wesen; alle Entitäten sind ihm zunächst belebte Unwesen, die er erst durch Namensgebung fassbar macht. Was den Urmenschen gleichgültig lässt, das nimmt er gar nicht erst wahr. Eine Informationsschrift der Überseeischen Missionsgesellschaft beschreibt Animismus als „[...] jede Religion [...], die glaubt, dass alle Gegenstände und Lebewesen von Geistern beeinflusst sind und die Geisterwelt im Leben der Menschen und in der Welt aktiv ist. Animismus ist in vielen Stammes- und Naturreligionen vertreten, welche bereits existierten, ehe die großen Weltreligionen [...] Einzug hielten.“ (Überseeische Missionsgesellschaft, 2000)

Mauss berichtet in diesem Zusammenhang vom hau, dem „Geist der Sachen“, an den die Maori glauben. Danach rächt sich dieser, wenn jemand einen Gegenstand, den er geschenkt bekommt, weitergibt und dies mit einem anderen Gegenstand bezahlt bekommt, ohne diese zweite Gabe an den Schenker des ersten Gegenstandes weiterzugeben (vgl. Mauss, 1968, 32f). Die im Maori-Recht durch eine Sache gestiftete Bindung bezeichnet Mauss als „Seelen-Bindung, denn die Sache selbst hat eine Seele, ist Seele.“ (ebd. 35)

[...] Demnach verfolgen Dinge scheinbar „eigene“ Absichten, die ihnen, meist entgegen der menschlichen Intentionen, zugeschrieben werden. Albers verweist auf die „Tücke des Objekts“ als „Heimtücke“ fremd und unheimlich gewordener Gegenstände (vgl. Albers, 2003, 7). Continue reading »

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Guthaben.

September 4th, 2009

Gerade bei Welt der Wunder aufgelesen:

habengut

Zwar ähnelt dieser dänische Begriff dem deutschen “Hab und Gut”, gemeint ist jedoch nicht der komplette Besitz, sondern nur das Nötigste, was man bei sich tragen kann.

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Zu viele Dinge.

Januar 7th, 2009

“Er war einfach ein Sammler. Er kam immer mit einer geballten Ladung Kartons nach Hause und lebte in seiner eigenen Welt.” Das sagte nach Angaben von Spiegel Online ein Anwohner über den Mann, der in seiner Sammlung von Habseligkeiten wahrscheinlich verdurstetet … :-(

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Zeige mir deine Sachen und ich sage dir, wer du bist.

August 1st, 2008

Zu dem Thema gibt’s in New York viel zu sehen und auch viel zu fotografieren, so scheint’s. Todd Selby hatte dabei wohl keine Angst, von zu viel Kram erschlagen zu werden oder vor Neid im Erdboden zu versinken, wenn sich die kreativen Seelen von Big Apple gegenseitig übertrumpfen in den Kategorien Wildness, Originality und super viel Space zum Leben, Chillen und Sex haben (garantiert keinen Blümchensex!).

Ich bin ordentlich hin- und hergerissen, ob ich auch in einem groß angelegten Kleinod wohnen möchte oder es vielleicht schon tue – also ich weiß nicht, wie ich das Gesehene finde, aber ich weiß, dass es hier prima reinpasst. Danke, Kai, du alter Stylespion und unbekannterweise auch an Erstentdeckerin Julia.

Ich habe auf jeden Fall schonmal gelernt, dass ein Wust bunter Dinge in einem großen Raum mit Parkett immer recht “decent” aussieht, in einer kleinen Hütte dagegen eher weniger bohemian …

Zemanta Pixie
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Die Trennung – das ungeliebte Ende jeder Dingbeziehung.

Juni 19th, 2008

Warum wir uns nur schwer von unseren Sachen trennen können

[Psychologie/Wirtschaftswissenschaften]

Stanford (USA) – Ob Plunder oder Preziosen – der Mensch hängt an dem, was er besitzt. Sobald er von seinen Besitztümern etwas weggeben soll – verschenken, verkaufen oder wegwerfen -, überkommt ihn ein mehr oder weniger starker Trennungsschmerz.

Things
Creative Commons License photo credit: Jo Jakeman

Wie die Wirtschaftspsychologie bereits erkannt hat, verkauft der Mensch seine Dinge, sofern er sie überhaupt verkauft, zu einem deutlich höheren Preis als er sie selbst kaufen würde. In der Forschung spricht man daher vom “Besitztumseffekt”. Jetzt haben amerikanische Neurowissenschaftler herausgefunden, dass der Besitztumseffekt seinen festen Platz im Gehirn hat. Wie sie in der Fachzeitschrift “Neuron” darlegen, lässt sich in der Region der so genannten Insula die individuelle Ausprägung des Besitztumseffektes nachweisen.

Der Besitztumseffekt ist für die Wirtschaftswissenschaft eigentlich etwas, was es nicht geben dürfte. Denn ob jemandem etwas gehört oder nicht, sollte keinen Einfluss auf den Grad der Wertschätzung eines bestimmten Gegenstandes haben. “Während der Besitztumseffekt regelmäßig und robust sowohl unter Laborbedingungen als auch in natürlichen Situationen nachweisbar ist, waren die psychologischen und neuronalen Mechanismen, die ihm zugrundeliegen, bislang völlig unklar”, erklärt Brian Knutson von der Stanford University. Continue reading »

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Alles nur wegen Sex.

April 21st, 2008

Wozu der ganze Kram, all die Dinge, der olle Konsum? Aus vernünftigen Beweggründen? Weit gefehlt.

Was mein “Habseligkeit” mühsam sorgfältig auf ca. 150 Seiten fein herausziseliert, das bloggt der Wolf einfach mal da so hin.




Dinge
Creative Commons License photo credit: r000pert

Die Erkenntnis selbst kriegt nicht mal nen eigenen Beitrag oder ne dezidierte Headline – nö, mittendrin liegt die Erkenntnis einfach so rum: Alles wegen Sex. Kaufen, sammeln, auswählen, umhängen, anziehen, drapieren, ausstellen, zeigen, erzählen, ansparen, bestellen. Nur deswegen.

Aber eine weiterführende Pointe hab ich noch im Ärmel. Oder vielmehr in der Habseligkeit. :-)

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Die Essenz aller Dinge.

April 14th, 2008

Inspiriert von einer ZEIT-Kolumne von Herrn Martenstein bloggte Antje kürzlich über die stetige Verschönerung des eigenen Lebens (oder zumindest der konstanten Evolution der eigenen Lebenswelt hin zum Besseren, Ästhetischeren und Wichtigeren): Nur das, was wirklich, wirklich wichtig ist.

Eine Essenz (ja!):

Es geht darum, dass Herr Martenstein sich von Büchern aus seinem Bücherregal verabschiedet, die eigentlich gar nicht so wichtig sind. [...] Und für jedes neue Buch, das er behalten möchte, wird ein vorhandenes aussortiert, so dass es nicht mehr werden, die Qualität aber stetig steigt. Und irgendwann hat man nur noch Lieblingsbücher im Regal. Das Prinzip lässt sich auch auf alle anderen Besitztümer anwenden. Man komprimiert und dampft alles im Laufe der Jahre so weit zusammen, dass man irgendwann nur noch die pure Essenz hat – so wird das Leben immer schöner, denn das Wichtigste ist, dass der Maßstab ausschließlich der eigene ist! Eine wunderbare Vorstellung.

Front of the 'Library'
Creative Commons License photo credit: General Wesc

Ich geb’s zu: Mir fällt es schwer, mich von Dingen zu trennen, auch wenn ich nicht übel Lust dazu hätte, mal so einiges rauszuwerfen. Aber dann schleicht sich doch der Gedanke ein: Eine größere Wohnung, das wäre doch die Lösung … ;-)

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Erinnerdinge.

April 13th, 2008

Ein klein wenig überrascht bin ich jedesmal, wenn ich jemanden finde, der sich auch mit der Bedeutung von Dingen, von scheinbar profanen Alltagsgegenständen, befasst. Meine Schwester machte mich diesmal aufmerksam auf einen Artikel in der aktuellen PAGE, der auf die Seite des Projektes Erinnerdinge verweist.

Worum geht es da?

Laut Selbstauskunft der Seite geht es um folgende Aspekte:

Erinnerdinge sind persönliche Dinge, die uns einfach nicht verlassen wollen. Dinge, die wir schon xmal in Umzugskartons gepackt und wieder hervorgeholt haben. Es ist schwer sich von ihnen zu trennen, weil sie mit bestimmten Erinnerungen verbunden sind. (…)

Auf erinnerdinge.de finden die Geschichten der Dinge, die sonst vielleicht nie erzählt würden, ein neues Zuhause. Sie sagen uns, wer wir sind und woher wir kommen.


Creative Commons License photo credit: acidcookie

Katrin Imhof sammelt auf der Seite Dinge verschiedener Menschen und ihre Geschichten, sozusagen als virtuelles Archiv für Memorabilia.

Meine Schwester und ich haben auch einmal beschlossen und – inspiriert durch die “Abschiedsfotos” von Gegenständen, die wir bei eBay einstellten -, damit begonnen, uns die Trennung von Dingen durch ihr Platz sparendes fotografisches Bewahren zu erleichtern …

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