Die Essenz aller Dinge.

Inspiriert von einer ZEIT-Kolumne von Herrn Martenstein bloggte Antje kürzlich über die stetige Verschönerung des eigenen Lebens (oder zumindest der konstanten Evolution der eigenen Lebenswelt hin zum Besseren, Ästhetischeren und Wichtigeren): Nur das, was wirklich, wirklich wichtig ist.

Eine Essenz (ja!):

Es geht darum, dass Herr Martenstein sich von Büchern aus seinem Bücherregal verabschiedet, die eigentlich gar nicht so wichtig sind. […] Und für jedes neue Buch, das er behalten möchte, wird ein vorhandenes aussortiert, so dass es nicht mehr werden, die Qualität aber stetig steigt. Und irgendwann hat man nur noch Lieblingsbücher im Regal. Das Prinzip lässt sich auch auf alle anderen Besitztümer anwenden. Man komprimiert und dampft alles im Laufe der Jahre so weit zusammen, dass man irgendwann nur noch die pure Essenz hat – so wird das Leben immer schöner, denn das Wichtigste ist, dass der Maßstab ausschließlich der eigene ist! Eine wunderbare Vorstellung.

Front of the 'Library'
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Ich geb’s zu: Mir fällt es schwer, mich von Dingen zu trennen, auch wenn ich nicht übel Lust dazu hätte, mal so einiges rauszuwerfen. Aber dann schleicht sich doch der Gedanke ein: Eine größere Wohnung, das wäre doch die Lösung … 😉

Erinnerdinge.

Ein klein wenig überrascht bin ich jedesmal, wenn ich jemanden finde, der sich auch mit der Bedeutung von Dingen, von scheinbar profanen Alltagsgegenständen, befasst. Meine Schwester machte mich diesmal aufmerksam auf einen Artikel in der aktuellen PAGE, der auf die Seite des Projektes Erinnerdinge verweist.

Worum geht es da?

Laut Selbstauskunft der Seite geht es um folgende Aspekte:

Erinnerdinge sind persönliche Dinge, die uns einfach nicht verlassen wollen. Dinge, die wir schon xmal in Umzugskartons gepackt und wieder hervorgeholt haben. Es ist schwer sich von ihnen zu trennen, weil sie mit bestimmten Erinnerungen verbunden sind. (…)

Auf erinnerdinge.de finden die Geschichten der Dinge, die sonst vielleicht nie erzählt würden, ein neues Zuhause. Sie sagen uns, wer wir sind und woher wir kommen.


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Katrin Imhof sammelt auf der Seite Dinge verschiedener Menschen und ihre Geschichten, sozusagen als virtuelles Archiv für Memorabilia.

Meine Schwester und ich haben auch einmal beschlossen und – inspiriert durch die „Abschiedsfotos“ von Gegenständen, die wir bei eBay einstellten -, damit begonnen, uns die Trennung von Dingen durch ihr Platz sparendes fotografisches Bewahren zu erleichtern …

Ein Tisch ist ein Tisch ist ein Tisch.

Diese Geschichte zu Dingen und Worten wurde mir vom so eloquenten wie vielseitig interessierten Herrn Buttenmüller zugetragen – vielen Dank dafür!

Peter Bichsel,  seines Zeichens Schweizer Schriftsteller, hat eine anregende Kurzgeschichte zur Dingwelt geschrieben, eine melancholische Anekdote zur Signifikat und Signifikant, zu Verständigung und Kommunikation. So eine Kurzgeschichte ist selbstredend unblogbar, Auszüge einzustellen verbietet sich – aber das ganze Werk „Ein Tisch ist ein Tisch“ findet sich hier, nur einen Klick weit weg.

Wie wichtig sind Möbel?

Prof. Dr. Peter Zec, mein ehemaliger Chef im Design Zentrum Nordrhein-Westfalen, meint dazu:

Peter Zec: Es sind die Dinge, mit denen wir uns umgeben, die wir von morgens bis abends vor Augen haben und mit denen wir unser Leben schöner machen. Und Möbel sind auch ein Stück weit von der Konjunktur unabhängig: Ein Stuhl muss ja nicht von heute auf morgen ausgetauscht werden – selbst wenn er schon Verschleißerscheinungen zeigt. Man entwickelt zu Möbeln auch ein sehr individuelles Verhältnis. Jeder hat seine Lieblingsstücke, von denen man sich nur schwer trennt.

WDR.de: Was sagen Möbel über einen Menschen aus?

Peter Zec: Sie sind ähnlich wie Kleidungsstücke – nur dass man bei Möbeln in einer anderen Intimsphäre lebt. Mit Kleidung muss ich mich auf die Straße begeben und bin dadurch vielleicht ein bisschen konformer. Bei Möbeln kann ich selbst entscheiden, wer die sieht. Insofern sagen Möbel sehr viel darüber, wie die Menschen wirklich sind: Manche richten sich viel konservativer ein, als beispielsweise die Kleidung vermuten lässt.

und er meint noch mehr.

Weil Dinge sprechen.

habseligkeiten sind nicht nur zum schönsten deutschen wort gewählt worden, sie sind vor allem das dingliche inventar unserer persönlichkeit.

und ich behaupte, dass dinge sprechen können. dazu habe ich ein buch geschrieben, meine magisterarbeit.

„kommunikative funktionen von alltagsgegenständen. dinge zwischen distinktion und sinngebung.“

noch gibt es das buch nur in einer allerkleinstauflage und ist so ein sehr wertvolles ding. aber das kann sich ja noch ändern … diese seite ist sozusagen das update, die virtuelle verlängerung des buchs.